Wahlempfehlungen und deren nicht-Auswirkungen

Hallo Freunde,

heute hatte ich ein kleines Zwiegespräch mit Laura Wallner, Stadträtin der SPD in Würzburg, über Demokratie und Wahlempfehlungen. Frau Wallner kritisierte die ZfW (Zukunft für Würzburg) da diese sich im Stichwahlkampf nicht für einen der beiden Kandidaten ausgesprochen haben. Sie bemängelte dabei, die ZfW würde dadurch indirekt zur nicht-Wahl aufrufen, was nicht sehr demokratisch sei.
Hierzu möchte ich meine Sichtweise ausführen. Als Landratskandidat für Main-Spessart kenne ich diese Situation sehr gut. Hier im Landkreis bewarben sich drei Kandidaten für das Amt des Landrats, was die Situation durchaus mit der Stichwahl um den OB-Posten in Würzburg vergleichbar macht. Da waren zum einen Thomas Schiebel von den FW, Sabine Sitter von der CSU und ich, von den SONSTIGEN (ödp, Piraten, Linke). Die SPD und die Grünen selbst schickten keinen Kandidaten ins Rennen. Auch eine Wahlempfehlung gaben sie nicht ab. Aus persönlicher Sicht, habe ich mit meinen Forderungen denen der SPD und den Grünen die größten Überschneidungen. Außerdem bestand jederzeit die Möglichkeit mich durch einen Wahlprüfstein, eine Art Abfrage der politischen Forderungen und Einstellung, zu befragen um sich ein genaueres Bild machen zu können.
Daher stellt sich für mich die Frage, ob die SPD und die Grünen in Main-Spessart, nach der Logik von Frau Wallner sich ebenso „nicht demokratisch“ verhalten haben weil sie sich nicht für einen der zur Wahl stehenden Kandidaten geäußert haben und damit indirekt auch zur nicht-Wahl aufgerufen haben.
Eine ähnliche Situation wird auch in Karlstadt sichtbar, als der Kandidat der Grünen, Armin Beck sowie die Kandidatin der SPD, XXXX Mühlrath nicht an der Stichwahl teilnehmen werden. Hier wurde von Seiten der SPD und der Grünen auch keine Wahlempfehlung für den Kandidaten der FW oder der CSU abgegeben.
Weiter beschäftigt mich, warum Frau Wallner die kleinen Parteien für ihr Verhalten kritisiert, während Sie und Ihre eigene Partei sich ebenso verhält.
Ich persönlich werde die SPD Main-Spessart oder die Grüne MSP nicht dafür angreifen, dass sie sich nicht für mich oder einen anderen Kandidat eingesetzt haben. Es ist die Entscheidung der SPD und der Grünen und aus meiner Sichtweise ist es nicht vertretbar ihnen undemokratisches Verhalten vorzuwerfen, weil keine Wahlempfehlung durch sie ausgesprochen wurde. Wenn mich SPD und Grüne für sehr geeignet gehalten hätten, dann wäre diese Empfehlung von alleine gekommen und es steht niemanden zu sich in diese Prozesse einzumischen. Wenn die Mitglieder dieser Parteien keinen der Kandidaten für geeignet halten, dann ist es ihr gutes Recht nicht das kleinere Übel zu wählen, sodern auf ihrem Standpunkt zu beharren. Dennoch freue ich mich natürlich über jeden SPD- oder Grünen-Anhänger der mir seine Stimme zur Landratswahl gegeben hat und möchte mich hiermit auch bei Ihnen für das Vertrauen bedanken.

Gruß
Jürgen Neuwirth